Infos       Medien       Pressestimmen       Projektseite

 

Pressetext

AMC 401-2

MoveDove

Veröffentlichung: 29.11.2013

 

 

MoveDove, gegründet vor nur drei Jahren für ein Konzert auf einer Nordseeinsel, ist sich einig mit den meisten der jungen, intellektuell-interessierten und spirituell offenen Menschen ihrer Generation: Die Zukunft besteht nicht aus Schubladen, Grenzen, Anonymität und Enthaltung. Sondern aus Weitsicht, Offenheit, Persönlichkeit und Verantwortung. Das Duo arbeitet seither an ihrem persönlichen Statement zu einem sich wandelnden Zugang zu Kunst und Kultur und vereint unverkennbar jahrhundertealte Tradition mit aktueller Klangsprache, Elektronik mit Kirchenorgel, Gregorianik mit Jazz, die Kirche mit dem Dorf, die Senioren mit den Kindern. Die beiden Köpfe des Crossover-Projekts, auf der einen Seite Sänger, Trompeter, Pianist und Komponist Luis Reichard mit katholisch-christlichen Wurzeln, auf der anderen Seite Bassist und Cellist Lorenz Rosenthal mit buddhistischem Background fordern sich dabei ständig gegenseitig zur Positionierung heraus. Ein geistig-musikalisches Konglomerat also, das den Zuhörer wie eine kreativ-anregende Welle umspült. Nach zwei Jahren intensiver Konzerttätigkeit nahm sich das Duo eine dreimonatige Auszeit, um mit dem kongenialen Toningenieur Patrick Leuchter ihr Debüt-Album „MoveDove“ aufzunehmen.

 

Es ist ein Erstlingswerk geworden, das so unscheinbar anfängt, wie man es sich nur vorstellen kann: mit dem Stimmengewirr des sonntäglichen Kölner Doms, der Wahlheimat der beiden Musiker. Ruhig wird man beim Zuhören dieser alltäglichen Klangkulisse – und neugierig. „Wir haben bei den Aufnahmen eine spezielle Mikrofon-Technik verwendet, die einen menschlichen Kopf in seinen physischen Eigenschaften simuliert. Mit Kopfhörern hören sich die Atmo-Aufnahmen an, als wäre man mittendrin“, erklärt Leuchter, der diese Technologie seit einigen Jahren auch im Film- und Musikvideobereich anwendet. Und mit den ersten Tönen des Klaviers wird klar: diese Musik ist nicht nur Klang; sie ist komponierte Atmosphäre. „Wir haben oft  mit den im Studio aufgenommenen Spuren durch Vorstellungskraft eine fiktive Welt, eine surreale Atmosphäre erdacht, die wir mit Leuchters Hilfe dann technisch realisiert haben. Ich habe das Sound Fiction getauft“, meint Luis Reichard, der hinter der kompositorischen Arbeit auf dem Album steht.

 

So hört der aufmerksame Zuhörer in „Morgenstern“, wie sich eine 400 Jahre alte Choralmelodie mit elektronisch generiertem und moduliertem Rauschen und einem akustisch aufgenommenen Windspiel zum archaisch-reduzierten Steilküsten-Szenario vereint. Mit Gedankenfetzen und rückwärts abgespielten Tonsequenzen kreiert Leuchter in „Wo ich nötig bin“ die Atmosphäre eines Tagtraums ,bei „Weizenkorn“ scheint gar eine Hard-Rock Band im Kirchenraum zu spielen. „Oft sind es die instrumentalen Inseln zwischen den gesungenen Strophen, die dem Geheimnishaften, dem Unsagbaren Klangraum geben“, befindet Dr. Meinrad Walter, renommierter Musikwissenschaftler und Theologe beim Hören des Albums. Eine solche Insel ist Reichards „Glance“ (eine für das Album orchestrierte Improvisation), das einen vorsichtigen Blick über den Tod in die Ewigkeit wagt. Es ist über weite Strecken von Rosenthals ausdrucksstarker Interpretation geprägt, der alle Cello-Stimmen ganz allein einspielte. Doch auch ohne technische Raffinessen überzeugt das Duo mit improvisatorischem Handwerk, Hochkonzentration im Moment und starker Kommunikation; die Komposition „Liebe fängt bei mir an“ ist ganz klassisch live in einem Take aufgenommen.

 

Es ist die Aufmerksamkeit, die MoveDove seinem Publikum auch im Konzert abverlangt. Doch das Duo erkennt die Kostbarkeit dieses Bewusstseinszustands an und dankt es mit abwechslungsreicher und persönlicher Interpretation, subtiler Überraschung und einer gelungenen Dramaturgie – das Album dauert nur etwas über 40 min, die ideale Aufmerksamkeitsspanne des erwachsenen Menschen. Rosenthal: „Wir wollten, dass unser Publikum beim Hören der CD vergisst, dass es nicht in einem unserer Konzerte sitzt, wo es auch noch den optischen Reiz der spielenden Musiker, des Raums und der anderen Besucher hat. Uns war wichtig, dass man den Impuls hat, das Album in seiner kompletten Länge durch hören zu wollen. Es soll seine Strahlkraft über die komplette Länge entfalten dürfen.“

 

Doch MoveDove bleibt nicht beim bloßen Musik-Denken und Musik-Machen stehen. Die Formation weiß um ihre Rolle in der zeitgenössischen Kirchenmusik genauso wie in der Entwicklung des heutigen Musikkonsums – bei Ersterem hakt es oft bei der Präsentation, bei Letzterem an der Authentizität. Konzeptuell-gestalterisch werden die beiden Musiker daher seit Bestehen des Projekts von Charlotte Triebus begleitet, die MoveDove's visuelle Kommunikation sogar bis hin zu den Fotografien bewusst komponiert. Sie findet, „dass es selten kirchenmusikalische Projekte gibt, die sich in diesem Maße darauf fokussieren, den Draht zur Gesellschaft, zu aktuellen Themen und ihrer Aufbereitung nicht zu verlieren. Dieser Draht zieht sich auch durch ihre Positionierung und Präsentation; zeitgemäße Musik fordert eine Auseinandersetzung mit zeitgemäßer Kunst, Design und Kultur.“ Das Album MoveDove positioniert sich also weder zwischen den Stühlen, noch im Einsiedlertum einer spirituell erleuchtetem Künstlerklasse. Sondern inmitten einer sich wandelnden Gesellschaft.

 

 

Daten:

 

Eins – Prolog (00:32)

Zwei – Morgenstern (07:51)

Choral: Wie schön leuchtet der Morgenstern

M/T: Philipp Nicolai 1599

Drei – Wo ich nötig bin (04:29)

Choral: Hilf Herr meines Lebens,

M: Hans Puls, T: Gustav Lohmann, Markus Jenny

Vier – Liebe fängt bei mir an (05:15)

M: Luis Reichard

Fünf – Du verborgene Kraft (03:13)

Choral: Nun bitten wir den heiligen Geist

M: 14. Jhdt, T: Berthold von Regensburg, Marie Luise Thumair

Sechs – Fußweg (05:27)

Choral: Befiehl du deine Wege

M: Bartholomäus Gesius 1653, G.P. Telemann, Gustav Mahler, T: Paul Gerhardt 1653

Sieben – Glance (06:34)

M: Luis Reichard

Acht – Weizenkorn (02:37)

Choral: Das Weizenkorn muss sterben

M: Johann Lauermann, T: Lothar Zenetti

Neun – Epilog (05:26)

Choral: Gottheit tief verborgen, M: Frankreich 17. Jhdt., T: Thomas von Aquin 13. Jhdt

 

Luis Reichard – Gesang, Trompete, Tasten, Vibraphon, Perkussion

Lorenz Rosenthal – Bassgitarre, Cello, Effekte, Kanon-Gesang bei Track 2

Dominik Mahnig – Schlagzeug bei Track 2, 3, 6

 

Komposition, Bearbeitung – Luis Reichard

Arrangement – Luis Reichard, Lorenz Rosenthal

Aufnahme, Mix – Patrick Leuchter

Mastering – Zino Mikorey

Gestaltung, Fotografie – Charlotte Triebus

Aufgenommen und gemischt Juli – September 2013 von Patrick Leuchter im Hidden Track Studio, Kirche St. Engelbert (Orgel), Dom zu Köln (Atmo) sowie HfMT Köln.

Produziert von MoveDove, co-produziert von Patrick Leuchter.

 

Recht bei den Autoren, außer:

Rechte am Choral „Hilf Herr meines Lebens“ bei Gustav Bosse Verlag.

Textrecht am Choral „Das Weizenkorn muss sterben“  bei Strube Verlag.

Copyright bei Acoustic Motion Concepts 2013